Wie du beim Veranlagen langfristig zu den Gewinnern zählst

Wie du beim Veranlagen langfristig zu den Gewinnern zählst

von | Jan 28, 2019

Das Tagesgeschehen stellt uns als Anleger derzeit vor beträchtliche Herausforderungen. Besonders die politischen Entwicklungen verunsichern uns. Hier in Europa dominieren uns die Unsicherheiten des Brexit und die Frage, wie sich die EU weiterentwickelt. In Amerika sorgt Trump mit seinen unvorhersehbaren Aktionen und dem schwelgenden Handelskrieg zwischen den USA und China für Unruhe. Russland ist und bleibt eine Diktatur. Zusätzlich haben wir andere Machthaber, die jederzeit für Turbulenzen sorgen können, etwa in Form des atomaren Bedrohungsszenarios durch Kim Jong-un.

Vor diesem Hintergrund möchte ich dir heute 5 Richtlinien mitgeben:

1. Kurzfristig reagieren die Psychopathen, langfristig die Strategen

Als Anleger muss dir die Relevanz deines Veranlagungshorizonts und dessen Wirkung bewusst sein. Je kürzer der Zeithorizont, desto stärker machst du dich als Anleger von politischen Ereignissen abhängig. Im Börsenjargon wird nicht umsonst von politischen Börsen gesprochen.

Umgekehrt, je länger dein Veranlagungshorizont, desto besser reagieren ökonomische Prinzipien wie Unternehmensgewinne. Die zentrale Frage ist: Was ist kurzfristig und was ist langfristig? Hier sind sich Ökonomen nicht ganz einig. Ich halte aber die Annahme, ab 20 Jahren von einer langfristigen Anlage zu sprechen, für sehr plausibel. Dazu habe ich dir folgend ein sehr wichtiges Chart herausgesucht:

grafik1

 

Die dunkelblaue Linie stellt die Wertentwicklung des S&P 500 dar, dem Index, der die Aktien von 500 der größten börsennotierten US-amerikanischen Unternehmen umfasst. Die rote Linie zeigt die Unternehmensgewinne. Seit 1945 orientieren sich die Börsenkurse langfristig immer an den realen Unternehmensgewinnen.

Conclusio: Wähle einen entsprechend langen Veranlagungshorizont und die politischen Ereignisse können dir KOMPLETT egal sein. Cool, damit lässt es sich viel besser und ruhiger schlafen.

 

2. Achtung: linearer oder logarithmischer Chart

Immer wieder zeigen mir Klienten sehr eindrucksvolle Grafiken, etwa die folgende:

S&P 500 in linearer Darstellung:

grafik2

 

Zum Vergleich: S&P 500 in logarithmischer Darstellung:

grafik3

 

Genau der gleiche Index über den gleichen Zeitraum von 1900 bis 2018. Der extreme Unterschied liegt an der y-Achse: Die lineare Darstellung weist bei der vertikalen Kursskala gleiche Abstände zwischen den Einteilungen auf und die Einteilung erfolgt in Punkten. Der Abstand zwischen den Werten zehn und zwanzig ist genauso groß wie zwischen 90 und 100.

Der entscheidende Nachteil: Wir übersehen, dass die erste Kursbewegung eine Steigung von hundert Prozent ist, während die zweite nur eine Veränderung von elf Prozent bedeutet. Das führt schnell zu Fehleinschätzungen. Eine gute, detailliertere Erklärung findest du hier.

 

Aus der linearen Darstellung mit einem Plus von 15.000 Prozent liegt folgender Schluss nahe: „Ist das jetzt nicht zu hoch bewertet? Sollte ich nicht lieber warten, denn das erscheint an den Börsen aktuell massiv überteuert zu sein!“, während der Betrachter der logarithmischen Darstellung nicht zu diesem Schluss kommt, weil er die Entwicklung als völlig normal erkennt. Wer in Aktien mit einem langen Horizont investieren will, kann eigentlich immer investieren!

Tipp: Wer das Risiko eines falschen Zeitpunkts vermeiden will, sprich am Höchststand und damit sehr teuer zu kaufen, weil er kurzfristiger plant, der sollte unbedingt monatlich investieren. Dann kommt der Cost-Average-Faktor zum Tragen.

Wenn ich monatlich immer die gleiche Summe am Aktienmarkt einkaufe, dann kaufe ich automatisch zu einem Durchschnittspreis und reduziere damit das Risiko, am höchsten Punkt zu kaufen. Ich mache seit über zwölf Jahren mit diesem Weg persönlich als auch bei Klienten sehr positive Erfahrungen.

 

3. Einfach nur den MSCI World kaufen?

Der MSCI World ist ein Aktienindex, der aus über 1.600 Unternehmen aus 23 Industrieländern besteht. Entscheidend ist dabei, die Gewichtung der Länder zu verstehen. Die Gewichtung entsteht anhand der Marktkapitalisierung. Aufgrund der Dominanz der US-Börsen befindet sich aktuell der US-Anteil bei über 60 Prozent. Siehe dazu auch die Grafik:

msci-world

Quelle: msci.com, Stand Dezember 2018

 

Das schaut schon grafisch unausgewogen aus, aber entspricht es auch wirklich der Realität? Du kannst dich erinnern, Börsenkurse folgen langfristig immer den Unternehmensgewinnen. Machen die amerikanischen Unternehmen weltweit 60% aller Gewinne? Eine mögliche Antwort darauf kann das Bruttoinlandsprodukt der einzelnen Länder liefern.

Ich habe dir die zehn größten Bruttoinlandsprodukte herausgesucht. Die Summe aller Bruttoinlandsprodukte weltweit ergab laut dem Internationalen Währungsfonds (IWF) 2017 rund 80.000 Milliarden US-Dollars. Zwar ist Amerika hier führend mit 19.400 Milliarden, aber weit weg von den über 60% aller Gewinne. Conclusio: Hände weg vom MSCI World!

bruttoinlandsprodukt

Quelle: wikipedia

 

4. Doch besser, in Gold und andere Rohstoffe zu investieren?

Hier war es für mich sehr überraschend, als ich folgende Chart zu sehen bekam:

rohstoffpreise

 

Du siehst hier, dass Rohstoffe langfristig keine Erträge bringen. Einzig sinnvoll ist Gold als taktisch einzusetzende Absicherung. Es stimmt nämlich, dass Gold immer in Börsenkrisen steigt, dann aber wieder abfällt.

Wenn man also der landläufigen Meinung folgt und immer einen gewissen Teil seines Vermögens in Gold hält, dann wird man bestraft und macht Verluste. Es gibt ein, zwei sehr gute Vermögensverwalter, die Gold sehr gut dazu mischen. Diese setzen wir für unsere Klienten ein.

Fazit: keine Rohstoffe langfristig halten.

 

5. Hidden Champion – Small Caps

Wer langfristig zu den Gewinnern an den Börsen gehören will, der muss folgendes berücksichtigen:

  • Aktien weltweit gestreut zu halten, ist sehr sinnvoll – aber Achtung: nicht nur ETFs kaufen, wie beim MSCI World gezeigt, besonders Asien stärker gewichten
  • Immobilien als defensive Strategie sind gut
  • Small Caps gehören unbedingt dazu – siehe letzte Grafik
  • Monatliches Investieren über Cost Average einsetzen
  • Ein Tipp noch zu ETFs: Je weniger transparent der Markt ist, desto weniger darfst du ETFs einsetzen. Je transparenter, desto eher. Der US-Markt ist der transparenteste Markt, also ETF-tauglich, Asien und Small Caps aber nicht!

letzte-grafik

 

Photo by rawpixel on Unsplash

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Viele Menschen überschätzen...

was sie heute erreichen können und unterschätzen was sie in 10 Jahren erreichen können.

- Anthony Robbins 

 

ALEXANDER OBERENZER

 

Köstlergasse 10 / 4,
1060 Wien

www.finum.at

Wertpapierverzeichnis

 

DAS WICHTIGE