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Interview mit Frank Boever: Fragen zum Immobilieninvestment

Interview mit Frank Boever: Fragen zum Immobilieninvestment

von | Mrz 11, 2019

Immobilien sind für viele von uns ein spannendes Thema – nicht nur, um selbst drin zu wohnen, sondern auch als Kapitalanlage. Gerade vor der ersten Investition sind jedoch viele unsicher, was dieses Thema betrifft. Immobiliensachverständiger Frank Boever hat die Antworten auf die Fragen, die uns im Zusammenhang mit Immobilieninvestments beschäftigen.

 

1. Lieber Frank, du bist Immobiliensachverständiger, was genau ist ein Immobiliensachverständiger und was sind seine Aufgaben?

Die Grundlage eines Immobiliensachverständigen setzt sich aus diesen drei Berufsbildern zusammen:

  • Der Immobilienmakler: Er liefert Verkäufer und Käufer eine Markteinschätzung über den Wert der Immobilie.
  • Der Immobilienverwalter: Er kennt die Erträgnisse einer vermieteten Immobilie und die entsprechende Nachhaltigkeit der abgeschlossenen Mietverträge.
  • Der Bauträger: Er kalkuliert die Bauprojekte.

Man hat eine Ausbildung in einer dieser drei Berufsgruppen erfolgreich abgeschlossen, wie z. B. in meinem Fall den Studienlehrgang an der TU Wien. Dann ist man Immobilientreuhänder und kann als Sachverständiger tätig sein. Hier sind profunde Kenntnisse über den Immobilienmarkt und die rechtlichen Rahmenbedingungen eine Grundvoraussetzung.

Will man also eine Immobilie kaufen oder verkaufen, kann man einen Immobiliensachverständigen, oder auch Gutachter genannt, hinzuziehen, um den objektiven Wert einer Immobilie festzustellen.

 

2. Deine neue Funktion bei FiNUM ist ja, Immobilienprojekte am österreichischen Markt zu analysieren und interessante Projekte für unsere Klienten zu identifizieren. Wie machst du das bzw. was sind die wesentlichen Kriterien bei deiner Analyse?

Wie bereits oben erwähnt, liegt das Hauptaugenmerk auf der objektiven Bewertung der Immobilien bzw. Projekte. Eine Begutachtung oder Bewertung einer Immobilie hat daher unter der objektiven Würdigung der rechtlichen Gegebenheiten, der tatsächlichen Eigenschaften und sonstigen Beschaffenheiten des Grundstücks, ohne Rücksichtnahme auf ungewöhnliche oder persönliche Verhältnisse des Auftraggebers zu erfolgen.

Auf meine Funktion bei FiNUM bezogen bedeutet dies, dass ich die von Partnern der FINUM angebotenen Immobilienprojekte aus einer kritischen und unabhängigen Perspektive begutachte und somit eine tiefergehende Einschätzung der Projekte durchführe, als es üblicherweise seitens der Anbieter in den Verkaufsunterlagen dargestellt wird. Bei meiner Bewertung berücksichtige ich immer folgende Punkte: Prüfung der Verkaufsunterlagen auf Vollständigkeit und Nachvollziehbarkeit, Analyse der Immobilie hinsichtlich einer benutzerfreundlichen Bauführung, ob die Wohnungsgrundrisse durchdacht sind, ob alle notwendigen Nebenräume (Abstellräume, Fahrradabstellplatz usw.) vorhanden sind. Weiters überprüfe ich die seitens der Bauträger angegebenen Mieteinnahmen, also ob diese auf dem Markt wirklich erzielbar sind und attraktive Renditen erzielt werden.

Gute Hilfestellungen, wenn der Kunde dies selbst mal schnell prüfen will, bieten hier auch der Immobilienpreisspiegel der Statistik Austria (statistik.at) und der Mietenrechner der Stadt Wien (wien.gv.at).

Weitere wichtige Punkte, die ich berücksichtige, sind die direkte Umgebung der Immobilie, also Infrastruktur, Nahversorger, Schulen, Ärzte, Verkehrsanbindungen, aber auch ob es Themen gibt, die sich negativ auf die Attraktivität der Immobilie auswirken, wie z. B. erheblicher Straßenlärm, weitere beeinflussende Emissionen oder z. B. ein Vereinslokal der Rockergang im Erdgeschoß des Hauses.

All diese Themen werden von mir kritisch und detailliert untersucht und fließen schließlich in meine Empfehlung für ein Projekt mit ein, um den Kunden somit Sicherheit zu geben, dass nur die besten Projekte am Markt angeboten werden.

 

3. Die Immobilienpreise sind seit 2008 in Wien Umgebung stark gestiegen. Einige sprechen von einer Überhitzung des Immobilienmarktes. Was ist deine Analyse dazu?

Es stimmt, dass die Preise für Immobilien in Österreich und Wien seit 2008 stark gestiegen sind, um rund 50 Prozent in den letzten zehn Jahren. Durch die damalige Finanzkrise wurde viel Geld von den Finanzmärkten gezogen und in Immobilien umgeschichtet, da Immobilien als sichere Geldanlage gelten. In den ersten fünf Jahren sind die Preise im Schnitt um sechs bis acht Prozent per anno gestiegen, was einen erheblichen Zuwachs bedeutet. In den letzten drei Jahren sehen wir jedoch, dass die durchschnittlichen Zuwächse bei rund zwei bis drei Prozent liegen, was der jährlichen Indexsteigerung seit 2016 entspricht.

Auch sehen wir, dass Banken bei Immobilienkreditvergaben auf einen entsprechend hohen Eigenmittelanteil bestehen, der bei 25 bis 30 Prozent des Kaufpreises liegt, was die Ausfallsmöglichkeit von Kreditrückzahlungen bei einer möglichen Zinssteigerung verringert.

Eine gesunde Nachfrage nach Immobilien ist weiterhin vorhanden, in den letzten Jahren konnte die Bautätigkeit nicht mit der Nachfrage mithalten. Zuletzt sind die Baubewilligungen jedoch gestiegen, sodass ein größeres Anbot am Markt ist und die Kunden bei der Auswahl der Projekte selektiver vorgehen und die Bauträger mit hochwertigen Projekten reagieren.

Wenn der Markt sich wie in den letzten drei Jahren weiterhin moderat aber stetig entwickelt, sehe ich keine Überhitzung des Immobilienmarktes.

 

4. Wenn wir uns jetzt ein wenig mehr der strategischen Seite von Immobilien annähern: Wann glaubst du, ist es für einen Privatinvestor sinnvoll, in Immobilienprojekte zu investieren?

Wenn man sich als Anleger dazu entscheidet in Immobilien zu investieren, sollte man sich zuerst überlegen, in welchem Bereich man sein Geld veranlagen will. Im Immobilienbereich gibt es hierzu folgende Möglichkeiten:

  • Beteiligung an einem Bauprojekt, auch als Bauherrenmodell bekannt. Hier beteiligt sich der Investor an einer Projektgesellschaft, welche eine Immobilie errichtet, und profitiert hier in erster Linie von den steuerlichen Vorteilen, da die anfallenden Kosten den Investoren zugewiesen werden. Üblicherweise werden die ersten positiven Rückläufe aus den Vermietungen nach 20 Jahren erzielt.

 

  • Bei einer Anlagewohnung erwirbt der Käufer eine Wohnung zu Vermietungszwecken, bei welcher er dann grundbücherlicher Eigentümer ist und über die er frei verfügen kann. Hier hat man ab dem ersten Monat der Vermietung Einnahmen. Es gibt Bauträger, welche eine Erstvermietungsgarantie anbieten oder die Wohnungen in einen Mietenpool geben. Hier hat der Vermieter dann zwar im Schnitt einen geringeren Ertrag, im Falle eines Leerstandes aber dann trotzdem Einkünfte.

 

  • Direktbeteiligung an einer Immobilie: Diese Variante wird von einigen Bauträgern als ein Investmentmodell mit einer geringeren Laufzeit von drei bis zehn Jahren angeboten. Der Kunde erwirbt ideelle Anteile an einer Immobilie und wird Gesellschafter an der Projektgesellschaft. Nach der festgelegten Laufzeit erhalten die Investoren einen vorher festgelegten Gewinn, welcher üblicherweise aus den laufenden Mieteinnahmen oder dem Verkauf der Immobilie erwirtschaftet wird.

 

  • In den letzten drei Jahren ist ebenfalls das Thema Crowd Investment verstärkt aufgekommen. Hier hat der Investor die Möglichkeit, sich über ein nachrangiges Darlehen an einem Immobilienprojekt zu beteiligen, stellt dem Bauträger Eigenmittel zur Verfügung und bekommt hierfür eine jährliche Verzinsung, die im Schnitt zwischen fünf und sieben Prozent liegt. Die Laufzeit beträgt üblicherweise zwei bis drei Jahre.

 

5. Es gibt immer wieder Privatpersonen, die eigentlich wenig Erfahrung mit Immobilien haben, die sich aber gerne eine Vorsorgewohnung zulegen möchten. Oft wollen diese Personen jedoch in kein Immobilienprojekt einsteigen, sondern sich selber eine Wohnung heraussuchen. Was ist deine Meinung dazu?

Zumal wenn man noch nicht so viel Erfahrung hat und sich das erste Mal mit dem Erwerb einer Immobilie als Investment beschäftigt, ist es ratsam, sich an einen Fachmann zu wenden, der zum einen den Immobilienmarkt kennt und weiß, auf welche Punkte man bei einem Immobilienkauf achten sollte. Dies umfasst die Prüfung der Verkaufsunterlagen, worauf man bei einer Besichtigung achten soll, welche Nebenkosten beim Immobilienkauf anfallen, welche Unterlagen der Verkäufer zur Verfügung stellen muss und welche Dokumente für eine Vertragsabwicklung notwendig sind.

Persönlich sehe ich das so, wie wenn ich mein Auto reparieren lassen muss, mir neue Laufschuhe kaufen will oder ein neues Badezimmer will: Hier gehe ich dann auch zum Mechaniker, ins Sportfachgeschäft oder ziehe einen Installateur zu Rate, um den bestmöglichen Service und maximale Unterstützung zu bekommen.

 

6. Auf welche Risiken können unerfahrene Immobilieninvestoren stoßen, mit denen sie nicht gerechnet haben?

Wenn man sich das erste Mal eine Immobilie kauft oder in Immobilien investieren will, sollte man sich zuerst den Anbieter genau anschauen. Hier macht es Sinn, sich wirklich intensiv mit dem Unternehmen zu beschäftigen und die Beständigkeit und Professionalität des Bauträgers zu durchleuchten.

Bei einem Neubauprojekt ist es grundsätzlich üblich, dass die Wohnungen bereits vor Baustart verkauft werden, das heißt, dass man eine Wohnung auf Grundlage der vorliegenden Unterlagen, Pläne und Angaben das Anbieters erwirbt, was ohne grundlegende Erfahrungen teilweise schwierig sein kann und wo die Hinzunahme eines Beraters sinnhaft ist.

Die Nebenkosten, welche beim Immobilienerwerb entstehen, sind ebenfalls zu berücksichtigen. Neben der Grundbucheintragungsgebühr, Grunderwerbsteuer und Vermittlungsprovision fallen noch Kosten für die Vertragsabwicklung und bei Finanzierung die Pfandrechteintragung an. Als Richtwert kann man für die Nebenkosten rund acht bis zehn Prozent auf den Kaufpreis draufrechnen.

Bei der Vermietung und Betreuung der Wohnung gibt es ebenfalls einige Aspekte, die es zu beachten gilt: Wie hoch darf die Miete sein, welche Mietverträge gibt es, was passiert, wenn ich befristet vermiete, was wenn der Mieter nicht mehr zahlt, wofür ist die Kaution da, welche Pflichten und Rechte hat der Mieter, welche der Vermieter usw.

Die meisten Bauträger bieten auch die laufende Betreuung der Wohnung an. Hier sollte man sich überlegen, ob man dann nicht gegen eine geringe monatliche Gebühr die Betreuung der Wohnung an eine professionelle Hausverwaltung abgeben will.

 

7. Aktuell sind die Finanzierungskosten sehr niedrig, weil die Kreditzinsen auf einem historischen Tiefpunkt sind. Allerdings sind die Immobilienpreise hoch. Wie glaubst du werden sich diese beiden Faktoren in Zukunft verhalten?

Die Zinsen für Finanzierungen sind bekanntlich seit zwei Jahren auf einem sehr niedrigen Niveau und machen eine Fremdfinanzierung für Investoren natürlich interessant. Wie oben erwähnt, haben sich die Immobilienpreise in letzter Zeit eingependelt bzw. gibt es im Luxussegment eine Stagnation der Preise.

Im Anlagewohnungsbereich sehe ich eine gesunde wirtschaftliche Ausgeglichenheit, weil die Entwickler zum einen über die Qualität und Lage der Projekte, aber auch über die erzielbaren Renditen in der Vermietung die Immobilien für Investoren attraktiv halten. Hier können sich die Verkaufspreise somit nur in den Verhältnissen der marktgerechten Mieten bewegen, da ansonsten die Renditen, welche die Investoren verlangen, nicht erzielbar sind.

Allgemein heißt es, dass es durch die Änderung bei der Führung der Europäischen Zentralbank in den nächsten Jahren auch wieder Bewegung bei der Zinspolitik in der Europäischen Union geben wird. Persönlich sehe ich den Österreichischen Immobilienmarkt aber als stabil an und durch die strengeren Kreditvergaberichtlinien der inländischen Banken werden etwaige Kreditausfälle, auch bei einer möglichen Zinserhöhung, gering ausfallen.

 

8. Sollen Investoren deiner Meinung nach auf ein Sinken der Immobilienpreise warten?

Wenn man die Möglichkeit hat, zum heutigen Zeitpunkt mit einem verhältnismäßig geringen finanziellen Risiko eine Anlagewohnung zu erwerben, würde ich zum direkten Kauf einer Immobilie raten. Abwarten und schauen, ob und wann es zu einem Preisnachlass bei Immobilien kommen wird, würde ich nicht machen. Die Nachfrage nach Wohnungen, auch im Mietbereich, in den Städten und im direkten Umland ist weiterhin ungebrochen und wird, so denke ich, auch in den nächsten fünf bis sieben Jahren nicht nachlassen.

 

9. Viele unserer Klienten haben das Ziel, in ihrer Erwerbsphase zwei bis zehn Vorsorgewohnungen aufzubauen. Würdest du so einem Klienten eine Streuung über mehrere Städte empfehlen oder eher den Heimmarkt, sprich den Wienern eher zu Wien raten?

Wenn man sich ein Immobilienpaket über einen bestimmten Zeitraum aufbauen will, macht es Sinn, sich auch über seinen Heimatmarkt hinaus zu bewegen und nach potentiellen guten Investitionsmöglichkeiten Ausschau zu halten. Wenn man sich über einen längeren Zeitraum mit Immobilien beschäftigt, wie es bei zwei bis zehn Immobilien sicherlich der Fall sein wird, bekommt man eine gewisse Affinität und sieht, wohin sich der Markt entwickelt.

Ein aktives Immobilieninvestment besteht also auch aus Beobachtung der Regionen und Indizien, wie sich diese entwickeln. Aktuell sehe ich persönlich noch gutes Potential in allen Hauptstädten sowie im Umland von Wien, Graz, St. Pölten, aber auch im Westen Österreichs in und um Innsbruck oder Bregenz.

 

10. Du hast durch deinen Beruf eine hohe Affinität zu Immobilien. Investierst du selber in Immobilien? Wenn ja, investierst du ausschließlich in Immobilien oder auch in andere Veranlagungsformen?

Meine Berufswahl Immobilientreuhänder ist unter anderem aus dem vorherigen privaten Interesse an Immobilien und Immobilieninvestitionsmöglichkeiten entstanden. Ich investiere laufend in Immobilien, wobei mein Hauptaugenmerk auf dem Ankauf von sanierungsbedürftigen Wohnungen bzw. Wohnungspaketen liegt.

Selbstverständlich schaue ich hier auf eine bestmögliche Ertragssituation bzw. Verwertung der Immobilie im Verkauf. Es macht mir aber auch sehr viel Freude, eine alte Wohnung wieder so herzurichten, dass wieder was Schönes daraus wird und die späteren Bewohner gerne drin wohnen.

Ebenfalls habe ich mich in letzter Zeit mit dem Thema Crowd Investment beschäftigt und auch hier bereits bei einigen Projekten investiert.

Weitere Investitionen, welche ich in meinen Veranlagungsportfolio habe, sind Gold, Aktien bzw. ETFs und eine klassische Lebensversicherung und Sparveranlagung. Hierdurch habe ich die meisten Veranlagungsklassen abgedeckt und eine gute Risikostreuung.

 

11. Abschließend würde uns noch interessieren, nach welchem Lebensmotto du lebst?

Hier habe ich zwei Lebensweisheiten, nach denen ich versuche zu leben:

„Jeder große Traum beginnt mit einem Träumer. Erinnere dich immer daran, dass du in dir die Stärke, die Geduld und die Leidenschaft trägst, um nach den Sternen zu greifen und die Welt zu verändern.“

„Alle sagten: Das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht und hat’s gemacht.“

 

Photo by Kevin Jackson on Unsplash

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