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Warum die größte Angst häufig zum größten Anlegerfehler führt

Die größte Angst der Anleger

von | Mai 20, 2019

Aktuell erlebe ich in meinen Gesprächen mit neuen Klienten regelmäßig die Frage, ob es aktuell nicht besser wäre, mit dem Veranlagen zu warten. Welche Gründe es für diese Überlegung denn gäbe? Dann kommen folgende Antworten: Die Kurse sind stark gestiegen, sollen wir nicht warten, bis diese wieder fallen?

Seit Anfang des Jahres hat die Verunsicherung an den Börsen zugenommen. Der Brexit. Der Handelskrieg USA-China. Oder die Auftragsbücher sind weniger prall gefüllt als vor einem Jahr. Ja, aus dieser Sicht gesehen spricht doch einiges dagegen.

Was dahinter steckt, ist die Urangst jedes Investors. Die Angst vor Verlusten. Laut einer aktuellen Studie des Deutschen Aktieninstituts geben 65 Prozent der Nicht-Aktienbesitzern an (https://www.dai.de/files/dai_usercontent/dokumente/studien/190116%20Studie%20Mehr%20Aktionaere%20in%20Deutschland.pdf), Aktien seien einfach zu riskant. Sie fürchten, mit Aktien mehr zu verlieren als zu gewinnen. Bestätigt fühlen sie sich durch die Dotcom-Blase um das Jahr 2000 und die Finanzkrise 2008, als es Verluste von bis zu 60 Prozent gab. Was sie jedoch ausblenden ist, dass Aktien weltweit seit Jahrzehnten durchschnittlich 5-8 Prozent pro Jahr an Zuwachs erzielt haben.

Der Denkfehler

Hier sieht Verhaltensökonom Bernd Ankenbrand einen entscheidenden Denkfehler: „Schwankungen gehören zum Leben dazu, denn nur aus Bewegung kann Veränderung entstehen. Darum ist die Volatilität am Finanzmarkt kein Grund für Angst — vielmehr bietet sie die Chance auf Kursgewinne.“

Fakt ist jedoch, dass speziell Österreicher und Deutsche eine viel zu niedrige Aktienquote bei ihren Kapitalbeträgen haben. Oft lesen wir erschreckend niedrige Zahlen. Nur rund 10-20 Prozent der deutschsprachigen Menschen besitzen Aktienbeteiligungen. Das ist nachweislich „Vermögensvernichtung“ und führt im doppelten Sinne zu Wohlstandsverlusten.

Einerseits sind wir einigen Kräften ausgesetzt: Inflation, Niedrigzinspolitik und steigenden Steuern. Die Geldentwertung liegt in den letzten Jahren in Österreich und Deutschland zwischen 1,5 und 2 Prozent.

Gleichzeitig liegen die Zinserträge auf Sparbüchern und festverzinslichen Papieren wie Anleihen auf historischen Tiefständen: zwischen 0,01 und 0,25 Prozent und bei Anleihen teilweise sogar mit Negativrendite.

100.000 Euro für zehn Jahre veranlagt:

Hier ein Beispiel zur Verdeutlichung. Gegenüberstellung: Jemand hat die letzten zehn Jahre 100.000 Euro auf einem Sparbuch oder in einem weltweiten Aktienfonds gehalten:

Sparbuch bei schlechtem Zinsangebot und 2 % pro Jahr Inflation: 81.859 Euro

Sparbuch bei besserem Zinsangebot und 1,5 % pro Jahr Inflation: 90.480 Euro

Wertpapierdepot mit guter Performance von 5 %, KEST und 2 % Inflation: 117.632 Euro

Wertpapierdepot mit guter Performance von 5 %, KEST und 1,5 % Inflation: 123.653 Euro

Wertpapierdepot mit sehr guter Performance von 8 %, KEST und 2 % Inflation: 146.141 Euro

Wertpapierdepot mit sehr guter Performance von 8 %, KEST und 1,5 % Inflation: 153.608 Euro

Was du auf einen Blick sehr gut erkennen kannst: Sparer haben im Worst Case aus ihren 100.000 Euro nach 10 Jahren rund 82.000 Euro gemacht. Das ist ein Realverlust von 18.000 Euro! Hingegen haben Aktieninvestoren im schlechtesten Fall rund 118.000 Euro nach zehn Jahren bzw. im besten Fall sogar 154.000 Euro erzielt. Wir reden von einer Differenz von 36.000 bzw. 72.000 Euro!

Fernbleiben macht arm

Der größte Fehler ist also, gar nicht investiert zu haben! Wie so oft im Leben geht es um die ersten Schritte, die oft die schwierigsten, aber entscheidenden sind. Ich halte aus diesem Grund schon seit über zehn Jahren monatlich den Finanzspieleabend ab. Hier kannst du spielerisch anlegen ausprobieren und ohne Risiko am Kapitalmarkt investieren üben.

Letztes Jahr haben mein Partner Wolfgang Tritsch und ich ein eigenes Spiel, das „My First Million Game“, entwickelt. Das Spiel bildet eine sehr aktive Börse ab, wo du den Finanzmarkt mit seinen Schwankungen kennenlernen und zusätzlich über Spiel-Know-how-Fragen deine Finanzbildung ausbauen kannst – welche ja die Basis jeglichen Finanzerfolges ist. Das Ziel ist es, Menschen spielerisch den Zugang zu Finanzbildung zu ermöglichen.

Neben dem individuellen negativen Effekt des Wohlstandsverlustes, wie oben vorgerechnet, gibt es auch einen erheblichen Nachteil, der sich gesamtwirtschaftlich auswirkt. Wenn den Unternehmen weniger Kapital zufließt, leidet auch deren Wettbewerbsfähigkeit. Aus diesem Grund sollte immer auch ein Teil in europäische Aktien investiert werden.

Smartes Investieren am Kapitalmarkt

Viele Klienten befinden sich im Lebensstadium des Vermögensaufbaus. Über ihr Arbeitseinkommen abzüglich ihrer Lebenskosten schaufeln sie Monat für Monat Geldbeträge frei. Viele Anfänger machen nun den Fehler zu warten, bis sie eine größere Summe beisammen haben, um dann anlegen zu können.

Grundsätzlich ist dagegen nichts einzuwenden. Es sprechen nur zwei Erfahrungen massiv dagegen: Erstens kommen doch immer wieder Ausgaben dazu, die ungeplant mehr kosten. Wie zum Beispiel ein teurer Urlaub, doch mehr für Kleidung ausgegeben, doch eine hochwertigere Couch etc.

Eine Aussage eines Millionärs hat mir diesbezüglich sehr geholfen: „Geld, das wir nicht sehen, können wir nicht ausgeben.“ Wenn du monatlich automatisch über ein Sepa-Lastschriftmandat investierst, wird die Summe am Anfang des Monats abgebucht. Dieses Geld siehst du nicht, kannst es nicht ausgeben und lernst gut, mit deinem restlichen Geld auszukommen. Das wirkt wahre Wunder!

Zweitens kannst du über das monatliche Ansparen im Aktienmarkt sehr gut die Schwankungen ausnützen. In dem Fall kannst du dich freuen, wenn die Kurse fallen, denn so kaufst du mehr Anteile ein. Na dann, viel Spaß beim Vermögensaufbau und bis zum nächsten Abend mit My First Million Game!

Photo by Austin Distel on Unsplash

Wir haben bei FiNUM zweimal im Jahr ein Strategiemeeting, bei dem sich kluge Köpfe Gedanken rund um Geld, Veranlagung und Versicherung machen. Heuer fand das zweite Meeting am 10. und 11. September in Wien statt. Wenn ich nun einige Tage nachher meine Unterlagen betrachte und die Inhalte reflektiere, dann hebt sich ein Thema besonders ab - aktives Stimmrecht.

 

 

Klimawandel ist kein Fake

 

Aktuell erleben wir weltweit permanent Nachrichten über die dramatischen Folgen des menschlichen Handelns. Umweltverschmutzung, Klimawandel, Überbevölkerung, Hurrikans und vieles mehr fällt mir dazu ein.

Unser Sohn hat mich vor Kurzem gefragt, wer Plastik erfunden hat. Ich konnte ihm diese Frage nicht beantworten. Das war auch nicht so wichtig für ihn. Wichtiger war ihm die Aussage danach: „Der gehört auf jeden Fall verurteilt, weil so viele Meerestiere wegen ihm sterben müssen“. Es ist erschrecken, dass sich ein 10-Jähriger darüber Gedanken machen muss.

Auch Prominente machen auf die Problematik aufmerksam. Dominik Thiem schreibt bei Tennisturnieren auf die Kameralinsen der großen Rundfunksender „Save the Ocean“.

 

 

Zeigt uns die junge Generation gerade unsere Fehler auf?

 

Ich habe den Eindruck, ein neues globales Verständnis wächst bei unseren Kindern heran. Sie zeigen uns auf, dass so nicht mehr weitergehen kann. Das ist ein wichtiges Signal und jeder von uns ist gefordert Verantwortung zu übernehmen. Greta Thunberg, die junge Klimaaktivistin, hat Anfang des Jahres Schüler zu Streiks aufgerufen. Seitdem gehen weltweit tausende junge Menschen an den „Fridays for Future“ auf die Straße.

 

 

Nachhaltiger Leben

 

Ein sehr lieber Freund von mir hat dies schon vor einigen Jahren antizipiert und geht mit gutem Beispiel voran. Vor den VW-Dieselskandalen hat er der Verbrennungsmotoren-Industrie den Rücken gekehrt und baut seit rund fünf Jahren sehr erfolgreich seine E-Mobility Start-ups auf. Er fährt nur noch öffentlich oder E-Auto, hat auf eine fleischarme Ernährung umgestellt, beteiligt seine Mitarbeiter an seinen Start-ups und meidet Plastikmüll.

Das hat mich wirklich beeindruckt und auch schon zum Teil auf mich abgefärbt. Ich achte mittlerweile darauf Plastiksackerl mehrfach zu verwenden oder auf kompostierbare Sackerl zurückzugreifen. Im Alltag fahre ich immer mehr öffentlich, gehe zu Fuß oder nehme das Fahrrad. Fleischlos bin ich noch nicht, aber vielleicht wird das noch. Auf das Fliegen großteils zu verzichten, ist für mich kein Problem, da ich es ohnehin nicht sehr angenehm finde.

 

 

Ein großer Hebel liegt in unseren Berufen

 

Seit 2006 bin ich selbstständiger Finanzberater und trage doch für mehrere Millionen Euro zumindest eine Mitverantwortung. Hier will grundsätzlich jeder Kunde mit so wenig Risiko wie möglich den maximalen Gewinn erzielen.

Doch was passiert, wenn wir uns unsere Veranlagung unter einem anderen Gesichtspunkt ansehen? Wie viel CO2, wie viel Energie, wie viel Wasser bzw. wie viele Ressourcen verbrauchen, vergeuden bzw. verschwenden unsere Investments? Sind unsere Veranlagungen im Sinne zukünftiger Generationen? Beschleunigen oder entschleunigen unsere Gelder den Klimawandel?

Wenn ich mir diese Fragen stelle, dann eröffnen sich neue Perspektiven der Bewertung. Welche Investments geben nachhaltig Sinn, welche sind zwar kurzfristig gut, aber schlecht für unsere Umwelt? Hier möchte ich in Zukunft noch mehr Verantwortung übernehmen.

Veranlagen mit Sinn ist das Ziel

 

Bis jetzt war ich bei ökologischen Investments eher zurückhaltend. Aus folgenden Gründen:

  • Gebührenstruktur zumeist überteuert
  • Viel Marketing und heiße Luft
  • Schlechtere Performance
  • Eingeschränkte Auswahl

In den letzten Jahren hat sich einiges getan und meiner Meinung nach ist die Zeit reif, um nachhaltig zu investieren. Es gibt mittlerweile einige gute Fonds mit sehr guter Kostenstruktur, deren Rendite sich auch in den letzten Jahren sehen lässt. Die Auswahl ist zwar im Vergleich zum gesamten Veranlagungsuniversum nach wie vor geringer. Hier hat der Anleger aber selbst Handhabe, wieviel er nachhaltig investieren möchte. Es muss ja, nicht zu 100 Prozent sein.

Was mich restlos überzeugt hat – das aktive Stimmrecht

 

Wir haben jetzt rund 5 Jahre großer ETF-Hysterie hinter uns. Jeder Finanzjournalist, der etwas auf sich hielt, hat einen sehr positiven Artikel über ETFs geschrieben. Die Aussage ist auch bestechend: Fondsmanager schaffen es kaum über 5 Jahre ihren Vergleichsindex zu schlagen und sind auch teurer. Warum investierst du denn dann noch in aktiv gemanagte Fonds?

Ein wesentlicher Punkt bei nachhaltigen Fonds ist, dass diese ihre Stimmrechte bei Aktionär-Hauptversammlungen aktiv ausüben. Was heißt das? Im Gesellschaftsrecht ist festgehalten, dass jede Aktiengesellschaft einmal jährlich eine ordentliche Hauptversammlung abhalten muss. Hierbei werden grundsätzliche Entscheidungen für das jeweilige Unternehmen getroffen.

ETFs sind hier wenig bis gar nicht aktiv, womit eine wichtige Kontrollinstanz unserer Wirtschaft geschwächt wird. Dieses aktive Stimmrecht nehmen aber einige sehr gute Öko-Fonds wahr. Sie leisten einen wichtigen Beitrag, Unternehmen auf den nachhaltigen, ressourcenschonenden und verantwortungsvollen Umgang mit unserer Zukunft aufmerksam zu machen.

Auch ich werde das künftig in meiner Veranlagungsberatung fix integrieren und meinen Klienten aufzeigen, damit auch wir unseren Beitrag leisten. Ich freue mich auf die nächsten Veranlagungstermine😊

 

 

 Photo by Chris Barbalis on Unsplash

 

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