Wer kann von der „betrieblichen Altersvorsorge“ profitieren?

Wer kann von der "betrieblichen Altersvorsorge" profitieren?

Dieser Frage durfte Sandra Drexel im Interview mit Herrn Dr. Wolfgang Ellmaier auf den Grund gehen. Er ist Unternehmensberater sowie Autor zahlreicher Fachpublikationen und gilt als ausgezeichneter Experte im Bereich der „Betrieblichen Altersvorsorge“. Er stand uns für ein Interview am 8. August 2018 zur Verfügung.

 

ellmaierMitte Juli durfte ich einen Vortrag von Ihnen erleben, in dem Sie sagten, dass jeder Österreicher von der „Betrieblichen Altersvorsorge“ profitieren kann und sollte. Was meinten Sie damit genau?

Grundsätzlich gilt in Österreich das „Drei-Säulen-Modell“. Dieses umfasst einerseits die staatliche Pension als erste Säule, die betriebliche Altersvorsorge als zweite Säule und abschließend die Privatvorsorge als dritte Säule. Meines Erachtens sind alle drei Säulen, hierbei insbesondere die guten Möglichkeiten der betrieblichen Altersvorsorge, ausnahmslos von jedem zu nutzen. Im Rahmen meiner Beratungstätigkeit sowie Vermögensplanung wird immer wieder erkennbar, dass sich unsere Kunden im Laufe der Jahre einen gewissen Lebensstandard aufgebaut haben, den sie auch im Pensionsalter aufrechterhalten wollen. Unsere Zielgruppe ist stark mit dem Faktum der drohenden „Pensionslücke“ konfrontiert, die sich bekanntlich aus der niedrigen Geburtenrate sowie den äußerst langen Ausbildungszeiten ableiten lässt. Es muss daher unser Ziel sein, eine nachhaltige Lösung zu finden.

 

Das Thema „Betriebliche Altersvorsorge“ wird mit vielen Begrifflichkeiten, unter anderem mit „Pensionskasse“ oder „Pensionszusage“ verbunden. Können Sie uns einen kurzen Überblick verschaffen?

Die „Betriebliche Altersvorsorge“ unterteilt sich in folgende Vorsorgeoptionen:

  1. Zukunftssicherung (300-Euro-Modell):

Im Rahmen der Zukunftssicherung schließt ein Arbeitgeber für alle oder eine Gruppe von Mitarbeitern ein steuerbegünstigtes Vorsorgemodell ab. Dieses kann als freiwillige Sozialleistung oder auf Basis einer Gehaltsumwandlung erfolgen. Die Zukunftssicherung wird mit einem Betrag in Höhe von € 300,- begrenzt und jährlich brutto für netto auf ein Versicherungs- oder Vorsorgekonto (Bsp.: Lebensversicherungskonto) veranlagt. Diese Beitragszahlung gilt für den Arbeitgeber als Betriebsaufwand. Folglich entstehen weder Lohnnebenkosten für den Arbeitgeber noch Lohnsteuer und Sozialabgaben für die Mitarbeiter.

  1. Vorsorge für alte Abfertigungen:

Abfertigungsansprüche für Dienstverhältnisse vor dem 01.01.2003 unterliegen der „Abfertigung Alt“. Diese Verpflichtungen bleiben am Unternehmen bestehen und könnten für Liquiditätsprobleme sorgen. Mit Zahlung der Beiträge in eine Vorsorgekasse wären alle Abfertigungsverpflichtungen eines Unternehmens erfüllt.

  1. Pensionskassa/Betriebliche Kollektivversicherung:

Bei dieser Pensionslösung kann über den Betrag von € 300,- hinaus pro Jahr und Mitarbeiter (maximal bis zu 10 % der Bruttolohn- und Gehaltssumme) steuerbegünstigt brutto für netto investiert werden. Die „Pensionskasse“ bietet eine chancenorientierte Veranlagung am Kapitalmarkt. Die „Betriebliche Kollektivversicherung“ hingegen gewährt eine Garantieverzinsung des veranlagten Kapitals sowie eine garantierte Rente.

  1. Pensionszusage:

Diese Vorsorgeoption eignet sich für ausgewählte Personen im Unternehmen und wird daher meist Führungskräften, leitenden Angestellten und sogenannten „High Potentials“ angeboten. Hierfür wird die Rechtsform einer Kapitalgesellschaft (GmbH, AG) benötigt, da eine Rückstellungsfähigkeit gewährleistet sein muss. Diese gilt wiederum als Betriebsausgabe.

 

Worin sehen Sie die Vorteile der „Betrieblichen Altersvorsorge“?

Sie dient vor allem der Zukunftssicherung, aber auch der Mitarbeitermotivation zu höheren Leistungen sowie der Bindung wertvoller, hochqualifizierter Mitarbeiter ans Unternehmen. Weiters ermöglicht das steuerbegünstigte Brutto-für-Netto-Ansparen im Vergleich zur Privatvorsorge einen deutlich höheren Veranlagungsbetrag. Es wird daher ein strukturiertes, regelmäßiges und sukzessives Ansparen aus dem Unternehmen heraus ermöglicht, das dessen Liquidität nicht tangiert.

 

Worin sehen Sie etwaige Fallstricke der „Betrieblichen Altersvorsorge“?

Sollten das Konzept nicht individuell genug gestaltet und das beteiligte Unternehmen sowie dessen Mitarbeiter nicht genügend in den Prozess eingebunden werden, sodass beispielsweise die umgesetzte Lösung nicht mit der Liquiditätssituation im Unternehmen übereinstimmt oder die Pensionslücke einer konkreten Person nicht ausreichend mit einer betrieblichen Lösung gedeckt wurde, so kann dies durchaus Fallstricke bilden. Daher ist es unerlässlich, einen fachkompetenten Berater hinzuzuziehen, der die vermeintlich komplexe Thematik simplifiziert.

 

Sie gelten in Österreich als ausgewiesener Experte im Bereich der „Betrieblichen Altersvorsorge“. Dennoch treten Steuerberater dieser eher skeptisch gegenüber. Woran könnte dies Ihrer Meinung nach liegen?

Die „Betriebliche Altersvorsorge“ gilt als Schnittstelle zwischen Betriebswirtschaft, Steuerwesen sowie Finanz- und Versicherungswirtschaft. Es kann durchaus sein, dass sich Steuerberater vor der vermeintlichen Komplexität sowie einem etwaigen Mehraufwand in der Bilanzierung scheuen. Daher ist es wiederum essentiell, einen geeigneten Berater zur Seite zu haben.

 

Wie viel Geld schenkt ein Österreicher ungefähr her, wenn er als Angestellter keine „Betriebliche Altersvorsorge“ hat?

Im Vergleich zur Privatvorsorge sind es in etwa € 2.000,- pro Jahr.

 

Wie schätzen Sie die Rechtssicherheit der „Betrieblichen Altersvorsorge“ in Österreich ein? Was wäre, wenn die steuerlichen Vorteile aufgrund einer Gesetzesänderung entfielen?

Die Rechtssicherheit schätze ich in diesem Bereich sehr hoch ein. Aus dem Gesetzestext geht sehr klar hervor, dass es der Wille des Gesetzgebers ist, in diesem Bereich zu handeln.

 

Sie führen selbst auch ein Unternehmen. Welche „Betriebliche Altersvorsorge“ haben Sie gewählt und warum?

Mein Unternehmen ist in der Rechtsform einer GmbH gegründet. Als beteiligter Gesellschafter und Geschäftsführer habe ich für mich selbst das Konzept der Pensionszusage mit direkter Leistungszusage umgesetzt. Zusätzlich konnte ich im Rahmen der Pensionszusage auch meine beiden Kinder in Form einer Waisenpension absichern.

 

Wie sorgen Sie sonst noch vor?

Abgesehen von der Pensionszusage nutze ich sehr wohl auch die Möglichkeiten am Kapitalmarkt und veranlage in fondsgebundenen Lebensversicherungen. Hierbei achte ich darauf, dass ich sehr flexibel bin und eine breitgefächerte Fondspalette, wie beispielsweise Indexfonds, zur Verfügung habe.

 

Unsere Blogleser interessieren sich sehr für Themen wie „finanzielle Freiheit & Wohlstand aufbauen“. Wie wird man Ihrer Meinung nach reich?

Im ersten Schritt ist es wichtig zu definieren, was Reichtum für jeden individuell bedeutet, gefolgt von einer diesbezüglichen Zielsetzung und Vermögensplanung. Es ist außerdem wesentlich, keine Angst vor Entwicklungen zu haben, sodass Möglichkeiten nicht ungenützt verstreichen. Und zu guter Letzt gilt es, den Beruf zu finden, der einen begeistert und einem Spaß macht.

 

Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?

Mein Erfolgsgeheimnis liegt in einer täglichen, ca. 15-minütigen Visualisierungsübung. Hierbei richte ich meine Gedanken auf eine eigens erstellte Mindmap, bestehend aus meinen persönlich wichtigsten Lebensbereichen, die ich Schritt für Schritt visualisiere und mit Notizen vermerke.

 

Abschließend noch die Frage, welchem Lebensmotto Sie folgen?

Mein Lebensmotto verdeutlicht sich in einem Lied, das ich zur Taufe meines mittlerweile einjährigen Sohnes eigens komponiert habe: „Höre nicht auf zu suchen nach der Quelle deines Meers, darauf zu segeln, die Anker heben, es verstehen tief in dir. Du bist der Herrscher über dein Leben. Jubelchöre. Hab keine Angst, hab Spaß am Leben, schließ die Augen, es ist geschafft.“

 

Photo by Huy Phan on Unsplash

Viele Menschen überschätzen...

 

was sie heute erreichen können und unterschätzen was sie in 10 Jahren erreichen können.

 

- Anthony Robbins 

 

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