Serie klassische Denkfehler - Beitrag 1

Serie klassische Denkfehler – Beitrag 1

von | Jul 6, 2015

IMG_9973Der Rückschaufehler: weise investieren, statt kopflos verlieren.

Wie ihr vielleicht wisst, habe ich mich in einem Zweig der Wirtschaftspsychologie spezialisiert, der mich schon immer sehr fasziniert hat: behavioral finance. Sie beschäftigt sich mit dem vermeintlich irrationalen Verhalten auf Finanz- und Kapitalmärkten.

In den nächsten Monaten möchte ich also immer wieder klassische Denkfehler, die es zu vermeiden gilt, mit euch diskutieren. Heute werde ich euch den Rückschaufehler vorstellen, unter Bezugnahme aktueller Überzeugungen in der Finanzpresse.

Der Rückschaufehler

Der Rückschaufehler ist einer der hartnäckigsten Denkfehler, den wir auch als „Ich hab´s schon immer gewusst“- Phänomen bezeichnen könnten. Rückwirkend betrachtet scheint alles einer offensichtlichen Notwendigkeit gefolgt zu sein. Wenn wir heute Ökonomen fragen, was 2008 passiert ist, dann kann mittlerweile jeder Volkswirt eine stringente Erklärung abgeben: Erst die Ausweitung der Geldmenge durch Greenspan, die viel zu lockere Vergabe von Hypotheken in den USA, sehr willige Ratingagenturen, sehr findige Finanzprodukt-Entwickler und der Export dieser nach Europa usw. … Am Ende erscheint alles sonnenklar und geradezu logisch, warum es kommen musste, wie es gekommen ist. Wer allerdings die Jahre 2008 und 2009 bewusst erlebt hat, wundert sich, warum keiner dieser Experten den genauen Verlauf der Finanzkrise vorhersagen konnte. Weil es schlichtweg nicht möglich war und ist. Weil wir aber im Nachhinein fast immer alles erklären können, überschätzen wir massiv unsere Vorhersage-Fähigkeit. Unterstützt wird dieser Denkfehler von der Sehnsucht der Menschheit, die Zukunft voraussagen zu können, weil eine ungewisse Zukunft Angst auslöst. Unzählige wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass Zukunftsprognosen bezüglich Börsenentwicklungen, die gegen Jahresende für das kommende Jahr aufgestellt werden, über 90% falsch sind und die übrig gebliebenen zutreffenden 10% sind reine Zufallstreffer.

Hilfe zur Selbsthilfe: Rückschaufehler vermeiden

Gut zu wissen ist, wo und wann wir aufpassen und die Ohren spitzen sollten. Meiner Meinung nach nämlich immer bei einhelligen Meinungen über Marktentwicklungen, die in der Zukunft liegen. Was früher Wahrsager und Hellseher, nennt sich heute ganz modern Meinungs-, Trend- und Zukunftsforscher – und teilweise Volkswirt. Je weiter im Voraus die Zukunft prognostiziert wird, desto eher sollten diese Annahmen hinterfragt werden.

Lasst uns dazu einmal eine momentan gängige Voraussage am Finanzmarkt ansehen:

Die USA werden voraussichtlich die Zinsen im Herbst anheben.

Diese Meinung ist weit verbreitet, weil sich die US-Wirtschaft seit der Finanzkrise wieder deutlich erholt hat. Da die Wirtschaft nun nicht mehr die Stützung der niedrigen Zinsen braucht, ist man der Überzeugung, dass es sich die Fed, das Zentralbank-System der Vereinigten Staaten, wieder leisten kann, die Zinsen anzuheben. Klingt schlüssig, garantiert aber gar nichts. Stattdessen nehmen die Märkte diese Entwicklungen vorweg. Das ist aktuell zum Beispiel daran zu sehen, dass viele Gelder in die Aktienmärkte fließen. Erstmalig investieren Millionäre das meiste Geld in die Anlagegruppe Aktien. Zinshebungen hätten zur Folge, dass die bestehenden Anleihen an Kurswert verlieren würden, daher wird lieber in Aktien investiert. Die Konsequenz der Zins-Vorhersagen ist also, dass sich die Menschen darauf verlassen und viele Investoren aktuell in die eigentlich risikoreicheren Veranlagungen, wie Aktien, investiert sind. Aktien sind historisch betrachtet die risikoreichere Veranlagung aufgrund deutlich höherer Schwankungen. Ich erinnere hier nur an das Jahr 2008, als Aktienindexe wie der ATX über 50 Prozent eingebrochen sind. Meiner Meinung nach ist es nur eine Frage der Zeit, dass diese Investoren bitter enttäuscht werden. Obwohl sie eigentlich keine offensiven Anleger sind, gehen sie aufgrund der Vorhersagen und der damit verbundenen Erwartungen verstärkt in den Aktienmarkt.

Wie sollen wir nun damit umgehen?

Wie können wir also finanziell intelligent die Frage nach der richtigen Veranlagungsform beantworten? Letztlich gilt: Das wichtigste Kriterium für deine Veranlagungsentscheidung ist die Laufzeit. Wer sein Geld länger als 10 Jahre liegen lassen kann, der kann eine hohe Aktienquote von 70-100% bei offensiver Investmentstrategie nehmen. Alle die darunter liegen, sollten weniger Aktien nehmen, weil ein Rückschlag von beispielsweise 40-60% nicht mehr aufgeholt werden kann. So würdest du bei einer stärkeren Marktkorrektur einen sicheren Verlust einfahren.

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*

Viele Menschen überschätzen...

was sie heute erreichen können und unterschätzen was sie in 10 Jahren erreichen können. 

- Anthony Robbins 

ALEXANDER OBERENZER

Köstlergasse 10 / 4,
1060 Wien

www.finum.at

FINANZIELL HANDELN
WIE DIE GROSSEN
Egal ob Student, Selbstständig oder Angestellt:  Jeder kann Vermögen und passives Einkommen bilden.  Auch, wenn du noch wenig Erfahrungen im Investieren hast. 
Worauf es ankommt und du achten solltest, lernst du in 5 simplen Schritten. Komm deiner finanziellen Freiheit näher und trag dich jetzt kostenlos ein!