Nichts Neues unter der Sonne...

Nichts Neues unter der Sonne…

von | Mai 27, 2015

In den Fachmedien wird aktuell stark diskutiert, ob wir uns in einer Spekulationsblase befinden und wenn ja in welcher Phase. Grundsätzlich erleben wir seit 2008 eine finanzielle Repression. Das bedeutet, dass Sparguthaben und besonders defensive Geldwerte, wie Staatsanleihen, von sehr sicheren Ländern, zum Beispiel Deutschland und der Schweiz, nach Abzug der Inflation und der Steuer eine reale Entwertung erleben. Momentan bekommen Sparer auf täglich fällige Sparkonten 0,125 – 0,5% bei ihren Hausbanken. Demgegenüber weist die Statistik Austria für März 2015 eine offizielle Inflationsrate von 1% an.Betrachten wir also einmal die Nettoverzinsung dieser Sparguthaben – das heißt Ertrag minus Steuer und Inflation: Wir nehmen dabei einen gemittelten Wert von 0,3% als Sparzins per anno an.

0,3% – 0,075%(=25% KEST) – 1%(Inflation) = -0,775%

Lasst uns noch einen Schritt weiter gehen. Was passiert, wenn wir 10 Jahre 10.000 Euro auf diesem Sparkonto liegen lassen? Anstelle unserer anfänglichen 10.000 Euro besitzen wir nach dieser Zeit nur noch 9251,5 Euro, obwohl wir doch eine Verzinsung von 0,3% erhalten haben!

Wer würde so etwas machen? Mehr Menschen als gedacht…

In Österreich liegen nach wie vor rund 50% des Finanzvermögens auf Sparkonten. Wenn wir nun noch die Gelder, die in sehr defensiven Anleihen liegen, dazu rechnen, dann kommen wir wahrscheinlich sogar auf rund 60%! 60% totes Kapital, das sich schleichend entwertet. 

Das ist übrigens nichts Neues, weil wir schon seit 1900 wissen, dass Sparzins minus Steuer und Inflation ein Minus von rund – 0,5% per anno erzeugt.

Tipp: Habe jetzt und in Zukunft lediglich deine notwendige Cashreserve auf dem Sparkonto liegen, der Rest gehört produktiv veranlagt!

Kommen wir zurück zu unserer ursprünglichen Frage: Befinden wir uns in einer Spekulationsblase? Meiner Meinung nach ja, weil viele professionelle Anleger, wie Pensionskassen und gemischte Fonds, so viele Aktien wie möglich halten. Nicht umsonst konnten wir in den letzten anderthalb Jahren sehr hohe Gewinne an den internationalen Börsen verzeichnen. Wer gut und offensiv veranlagt war, konnte rund 30-40% Plus erzielen. Die Frage, die sich nun alle stellen, ist, wie lange das so weiter geht bzw. in welcher Phase dieser möglichen Blase wir uns befinden.

csm_RTEmagicP_fuw_Anatomie_einer_Spekulationsblase_01_d092af9df7

Dazu habe ich euch die Abbildung des Verlaufs einer Spekulationsblase nach Kindleberger und Minsky abgebildet. Grundsätzlich sind die Verläufe von Finanzblasen ähnlicher Natur und können in 5 Phasen unterteilt werden.

  1. Verlagerung: Ein extremes Ereignis ändert den Markt fundamental. Dies kann eine Erfindung sein, ein Naturereignis oder eine Phase mit ungewöhnlich tiefen Zinsen.
  2. Boom: Die Preise steigen sehr stätig und es bilden sich recht überzeugende Geschichten, die zur selbst erfüllenden Prophezeiung werden. Dadurch strömt immer mehr Kapital in diesen Markt, was wiederum die Anlagestory bestätigt.
  3. Euphorie: Bankkredite werden großzügig gewährt. Immer mehr unerfahrene Anleger strömen in den Markt und die Preise steigen so stark, das die Preiskurve fast schon einem Fahnenmast entspricht. Warnende Stimmen erklingen, doch sie werden nicht gehört, denn dieses eine Mal scheint alles anders zu sein.
  4. Finanzielle Not: Irgendein unscheinbares Ereignis läutet Phase vier ein. Der Höhepunkt ist erreicht und die Preise geben nach. Eine Kettenreaktion wird ausgelöst: Investoren, die in der Euphorie-Phase zu hohe Schulden aufgenommen haben, müssen nun finanzielle Notverkäufe machen. Die Kurse fallen immer tiefer.
  5. Abscheu: Der Boomsektor wird gemieden, die Realwirtschaft ist auch getroffen. Es folgen Firmen- und Privatkonkurse und alle Welt sagt, wie schlecht und böse die Börsen sind. Aber irgendwo, in einem ganz anderen Ort, entwickelt sich bereits eine neue und noch unfassbarere Investmentstory. Es wird schon naher Zukunft wieder eine Verlagerung geben und wir können im Nachhinein abermals feststellen – nichts Neues unter der Sonne: Der Zyklus beginnt von vorne. Nur diesmal mit einer anderen Story an einem anderen Ort.

Wo wir uns aktuell befinden, ist gar nicht so leicht zu sagen, was auch das Kennzeichen dieser Spekulationsphasen ist. Die erste Phase Verlagerung ist es sicherlich nicht, weil wir schon lange die Niedrigzinsphase haben. Phase vier Finanzielle Not und Phase fünf Abscheu sehe ich auch nicht. Phase zwei Boom, sprich hoher Kursanstieg, haben wir schon in den letzten 1-2 Jahren gesehen. Wir könnten also in dieser Phase stehen. Wir könnten aber auch in der dritten Phase stehen. Wegen der Anleihenkäufe der Zentralbanken, was ja auch Krediten entspricht, könnte zu viel Geld in die Märkte fließen, was wiederum zu der Euphorie-Phase führt. Das aktuelle Mantra der Fachwelt nämlich lautet: „Nur Aktien sind momentan die einzige sinnvolle Alternative“. Das erinnert ein wenig an die selbst erfüllende Prophezeiung. Aus diesem Grund ist hier große Vorsicht geboten!

Fazit: Wie soll ich mich nun als Anleger verhalten? Hier wird dir mein Artikel weiterhelfen, ein vorausschauender und proaktiver Investor zu werden!

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