Negativzinsen und ihre Auswirkungen auf Sparer

Negativzinsen und ihre Auswirkungen auf Sparer

von | Aug 25, 2016

Es ist also doch passiert. In Deutschland heben erste Banken negative Zinsen ein. Was bedeutet das eigentlich? Anstatt jährlich eine Zinsgutschrift, beispielsweise 0,4 %, zu erhalten, wird dem Sparkonto dieser Betrag abgezogen. Hast du zum Beispiel einen Wert von 10.000 Euro auf einem solchen Konto liegen, dann werden dir tatsächlich 40 Euro abgezogen.
Also bleibt ein Wert von 9.960 Euro übrig.

Weiters wird noch ein unsichtbarer Wert abgezogen, nämlich die Inflation. Diese beträgt in Österreich aktuell rund 1 %. Somit müssen wir noch einmal 100 Euro abziehen. Endergebnis: Deine ursprünglichen 10.000 Euro sind nach einem Jahr also nur noch 9860 Euro wert. Oft liegt deine Liquiditätsreserve aber Jahre auf deinem Konto, was geschieht dann? Nach 5 Jahren sind deine 10.000 Euro nur noch 9.319,33 Euro und nach 10 Jahren hast du über 1300 Euro verloren und besitzt nur noch einen Gegenwert von 8684,99 Euro.

Das sollte uns als finanziell intelligente Menschen nachdenklich stimmen! Fakt ist, dass die Staatsverschuldung in Europa sehr hoch ist und die Wirtschaft nach wie vor seit der Finanzkrise 2008 schwächelt. Das sind zwei wesentliche Gründe, warum die meisten Ökonomen noch von einer längeren Niedrigzinsphase ausgehen. Heute möchte ich mir mit dir gemeinsam in diesem Beitrag ansehen, was du bei Negativzinsen zu tun hast. In einem meiner nächsten Artikel wirst du erfahren, was passiert, sollten die Zinsen wider allgemeinen Erwartens doch ansteigen.

Spareinlagen auf vernünftige Höhe anpassen

Wir haben in Österreich und Deutschland nach wie vor die Situation, dass über 50 Prozent des Kapitals auf Sparkonten und Bauspar-Produkten herumliegen. Die Allianz hat dazu erst vor kurzem eine Studie herausgebracht. Wegen dieser hohen Cashquote und sehr sicherheitsorientierten Geld-Haltung, ist Österreich in puncto Veranlagungserfolg aktuell europäisches Schlusslicht. Kein anderes Land in Europa hat in den Jahren 2010–2014 weniger aus ihrem Geld auf der „hohen Kante“ gemacht. Volkswirtschaftlich wirkt sich das natürlich aus. Die Binnennachfrage ist weiter geschwächt worden. Es wird also noch weniger investiert bzw. konsumiert und noch mehr gespart. Irgendwie ein Teufelskreis. Erste wichtige Maßnahme ist nun: passe deine Cashreserve auf den richtigen Wert an. Das Schwierige daran: Ist dieser zu niedrig angesetzt, musst du regelmäßig dein Konto überziehen, was hohe Kosten mit sich bringt. Wenn der Wert zu hoch ist, dann hast du wie oben vorgerechnet über die Jahre doch hohe Abschläge. Welche Werte kann ich aus meiner Erfahrung empfehlen:

Studenten, die von zu Hause noch finanziell unterstützt werden: 1.000–2.000 Euro

Studenten, die nicht mehr von zu Hause unterstützt werden: rund 3.000 Euro

Berufseinsteiger: 2–3 Monatsnettogehälter, was sich dann oft zwischen 4.000–8.000 Euro bewegt

Für die nächsten 2 Gruppen gebe ich keine absoluten Zahlen mehr an, weil diese zu weit auseinander gehen können:

Selbstständige, abhängig von den Einnahmensschwankungen: 3–6 Monate Lebenskosten und laufende Betriebskosten (Mieten, Leasing, Mitarbeiter etc.)

Mittleres und oberes Management: 6–12 Monate Lebenskosten, um sich ohne finanziellen Druck beruflich neu orientieren zu können.

Achte bei deinem Cashkonto auf die Verzinsung

Leider kennen die wenigsten Personen den aktuellen Zinssatz ihres Sparkontos. Verständlich, weil das nicht unbedingt die spannendste Aufgabe ist. Bitte mache es dir zur Routine zumindest einmal im Jahr oder besser im Halbjahr darauf zu achten. Es gibt zwei Kriterien, die bei einem Sparkonto entscheidend sind: Zinssatz und Sicherheit. Meistens sind Online-Sparkonten bei der Verzinsung deutlich besser. Wenn du zusätzlich eine heimische Bank wählst, dann sollte auch die Einlagensicherung gesichert sein.

Meide Geldwerte in der Veranlagung

Grundsätzlich unterscheiden wir im Investmentbereich zwischen Geld- und Sachwerten. Geldwerte sind Veranlagungen, die einen Geldwert aufweisen. Sachwerte hingegen haben einen materiellen Wert, der dann in Geldeinheiten umgerechnet wird. Stellvertretend möchte ich den Sachwert anhand der Immobilie erklären. Einer Immobilie steht der materielle Wert des Grundstückes, der Lage, des Gebäudes, etc. gegenüber. Dieser kann dann in Geldeinheiten umgerechnet werden und somit einen monetären Wert, sprich den Preis, erhalten. Ein Geldwert, weist hingegen keinen materiellen Wert auf, sondern nur einen monetären. Bestes Beispiel dafür sind Anleihen. Nehmen wir beispielsweise eine Staatsanleihe.

Sagen wir, du leihst dem Staat 5.000 Euro für 10 Jahre. Dafür bekommst du jährlich eine Art „Zinsgutschrift“ (Kupon) und nach Ende der Laufzeit deine 5.000 Euro zurück. Weswegen ist diese Unterscheidung so wichtig? Geldwerte weisen zwei große Abhängigkeiten auf: Wenn die Zinsen niedrig sind, dann sinken auch die Erträge der Anleihen. Aktuell weisen schon über 30 Prozent der Anleihen weltweit Negativzinsen auf. Weiters wirkt die Inflation voll auf Geldwerte. Bei Sachwerten nicht, weil der materielle Wert dann eine Aufwertung erfährt. Bleiben wir bei der Immobilie. Da die Mieteinnahmen mit der Mietindexanpassung eine Art Inflationsschutz haben, wird der Kaufpreis dann auch um die Inflation gesteigert. Zusammenfassend: Reduziere in deiner Veranlagung die Abhängigkeit zu Geldwerten.

Beginne, in Sachwerte zu investieren

Du musst dich leider von dem Gedanken verabschieden, weiterhin erfolgreich mit Sparprodukten Vermögen aufzubauen. Immerhin liegen ja noch immer über 50 Prozent des Kapitals in solchen Produkten. Investiere in Sachwerte, das sind im Wesentlichen Aktien, Immobilien und Rohstoffe wie Gold. Da Gold keine Erträge per se wie Mieten oder Dividenden erwirtschaftet, empfehle ich die Basis auf die ersten beiden zu legen. Hierzu eine sehr hilfreiche Formel, wie hoch dein Aktienanteil sein sollte: 100 – dein Alter = deine mögliche Aktienquote. Schauen wir uns dazu zwei Beispiele an:

30-jähriger Mann: 100-30=70. Diese Person kann also durchaus 70 Prozent ihres Kapitals in Aktien investieren. Warum sage ich nur „kann“, weil das nochmal abhängig von deiner Risikobereitschaft ist. Wenn du eine gewisse Schwankung nur schwer aushältst, dann wird deine Aktienquote auch als 30-jährige Person niedriger ausfallen.

60-jähriger Mann: 100-60=40. Bei diesem Mann sollten maximal 40 Prozent in Aktien investiert sein. Aus meiner Sicht sind Immobilien aktuell auch stark für die Absicherung des Vermögens geeignet. Weniger gut als Vermögensaufbau, weil einerseits dafür meistens eine schon höhere Summe an Eigenkapital notwendig ist und andererseits die hohen Preissteigerungen der vor allem Wohnimmobilien hinter uns liegen.

Ich kann es nicht oft genug sagen

Lerne spielerisch zu investieren! Komm und spiele beim nächsten Cashflow mit und probiere das theoretische Wissen dieses Artikels ohne Risiko einmal im Cashflow Game aus. Die Erkenntnisse aus dem Spiel helfen dir dann die richtigen Finanz-Entscheidungen im realen Leben zu treffen.

1 Kommentar

  1. Hallo Alexander,
    Guter Artikel zum Thema Niedrig-/Negativzinsen.
    Du arbeitest schön heraus, dass beim Vorhalten eines Notfall-Fonds ein Tagesgeldkonto quasi unerlässlich ist. Im Fall von Negativzinsen, wäre natürlich Bargeld eine sinnvolle Alternative, oder?
    Ich stimme Dir völlig zu, dass im derzeitigen Zinsumfeld die Asset Allocation jedes einzelnen von uns gründlich überdacht sein will. Gerne verweise ich auf folgenden Artikel zu diesem Thema, der relevant sein könnte: https://meinefinanziellefreiheit.com/2016/10/27/finanzielle-freiheit-trotz-niedrigzinsumfeld/
    Viele Grüße,
    FF
    PS: Schön einen weiteren Blogger aus Österreich zu finden, der sich mit personal finance Themen beschäftigt!

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