Macht die Lebensversicherung Sinn beim Investieren?

Macht die Lebensversicherung Sinn beim Investieren?

von | Feb 6, 2016

Kapitalertragssteuer – Was viele Anleger falsch machen und was die Lebensversicherung damit zu tun hat. Seit 01.01.2016 ist es amtlich. Wir haben in Österreich eine Kapitalertragssteuer (Kest) von 27,5% auf alle Kapitalgewinne. Um gleich Missverständnisse aus dem Weg zu räumen: Diese Kest bezieht sich nicht nur auf Dividenden. Immer, wenn du Wertpapiere mit Gewinnen verkaufst, dann muss deine Depotbank 27,5% deines Gewinnes direkt an das Finanzministerium abführen.

Achtung! Bei 100.000 Euro Veranlagungssumme zahlst du schon immense Steuern

Wenn du beispielsweise 100.000 Euro über 15 Jahre veranlagst bei einer jährlichen Wertsteigerung von 4%, dann erreichst du nach Abzug der Kosten eine Gesamtsumme von ca. 170.000 Euro. Was wird davon nun durch die Kest versteuert? Dein Gewinn von 70.000 Euro zu 27,5%. Das sind 19.259 Euro!!

Als mein Blogleser weißt du, dass eine wesentliche Aufgabe deiner finanziellen Intelligenz darin liegt, Steuern so gut es geht zu vermeiden. Die Frage ist nun, gibt es einen legalen Weg, um die Kest zu reduzieren bzw. zu umgehen? Ja! Die Lebensversicherung ist in Österreich Kest befreit – wie macht das Sinn?

Nicht nachplappern, sondern rechnen

Viele Blogger, selbsternannte Veranlagungsgurus und Medien berichten sehr negativ über Lebensversicherungen. Die immer gleichen Argumente sind: Abschlusskosten sind sehr hoch, Produkte sind unflexibel, Ertrag ist zu niedrig. Wir wollen daher heute genauer hinsehen, ob dieses Mantra auch wirklich stimmt. Zuerst einmal eine einfache Rechnung: Angenommen, wir könnten den gleichen Ertrag bei der Lebensversicherung erzielen wie auf einem Wertpapierdepot und blieben bei unserem obigen Beispiel. Bei der Lebensversicherung sind zu Beginn 4% Versicherungssteuer zu bezahlen. Bei 100.000 Euro sind das folglich 4000 Euro. Wenn wir nun Depot und Lebensversicherung anhand der Besteuerung gegenüberstellen, dann sehen wir: Depot: 19.250 Euro Kest Besteuerung, Lebensversicherung 4000 Euro. So, jetzt müssen wir uns natürlich die Kostenseite ansehen. Hier haben die Lebensversicherungen in den letzten Jahren enorm aufgeholt und sind nun vergleichbar mit den Depotkosten über die gesamte Laufzeit der 15 Jahre, nur mit dem Unterschied, dass diese Kosten in der Regel in den ersten fünf Laufzeitjahren verrechnet werden. Deswegen auch die wichtige Regel: Lebensversicherungen sind nur für langfristiges Investment geeignet. Entweder für einmalige Veranlagung von mehr als 15 Jahren oder für monatliches Ansparen, empfehle ich grundsätzlich, dies nur für die Pensionsvorsorge in Erwägung zu ziehen. Was viele nicht berücksichtigen: Wenn du Änderungen in deinem Depot durchführst, zum Beispiel einen Fondswechsel, dann fallen zusätzliche Wechselgebühren an. Bei der Lebensversicherung nicht.

Abschließend können wir also festhalten, dass die Lebensversicherung eine echte Alternative sein kann, wenn wir ähnlich wie im Depot veranlagen können. Doch schauen wir uns das noch genauer an:

Welche Formen der Lebensversicherung gibt es?

Grundsätzlich gibt es verschiedene Lebensversicherungen, die jeweils für unterschiedliche Zwecke verwendet werden können. Zum einen gibt es Erlebens- und zum anderen Ablebensversicherungen. Wir wollen uns in diesem Artikel natürlich mit den Erlebensversicherungen beschäftigen. Diese sind Ansparformen für lange Laufzeiten und werden deswegen auch sehr gerne als Pensionsvorsorge verwendet.

Bankenliebling: die prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge

Die vor allem von Banken am meisten empfohlene Erlebensversicherung ist die prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge. Diese weist die höchste staatliche Förderung bei den Lebensversicherungen auf, ist jedoch bei der Veranlagung oft sehr Österreich-lastig. Wie du aus meinem Artikel „Wie erreiche ich Wohlstand? – Investmentintelligenz“ schon weißt, gibt es eine wesentliche Grundregel beim Investieren: investiere nie in zu enge Märkte. Ist Österreich ein zu kleiner Markt? Vom weltweiten Börsenvolumen weist die wiener Börse – wenn überhaupt – 0,5% auf. Ich glaube, das beantwortet die Frage.

Bestseller: die klassische Lebensversicherung

Die meisten Österreicher haben diese Lebensversicherung. Die klassische Lebensversicherung war in der Vergangenheit sehr beliebt, weil man hier 100% Kapitalgarantie hat und früher auch teilweise 4-6% jährlichen Garantiezins bekam. Da wir aktuell in einem Niedrigzinsumfeld leben, ist der Garantiezins auf aktuell 1,5% gesunken. Somit hat diese Form der Lebensversicherung momentan keinen Sinn.

Hidden Champion: die fondsgebundene Lebensversicherung

Wie der Name sagt, veranlagt diese Lebensversicherung in Fonds bzw. ETFs. Vereinfacht gesagt, ist die fondsgebundene Lebensversicherung eine Hülle, in der einzelne Fonds bespart werden können. Eigentlich das, was wir eingangs als optimal definiert haben: Du kannst hier wie im Depot (außer Einzelaktien) investieren, ohne jedoch Kest bezahlen zu müssen. Die guten fondsgebundenen Anbieter haben mittlerweile eine sehr gute bzw. große Auswahl an Fonds. Teilweise sogar über 100 Möglichkeiten. Kann ich jetzt einfach jede fondsgebundene Lebensversicherung nehmen? Nein. Hier muss man auf die Kosten achten. Dafür solltest du dich unbedingt an einen Spezialisten wenden, besonders, da hier zusätzlich regelmäßige Up-dates notwendig sind, weil immer wieder neue Tarife auf den Markt kommen. Das ist auch ein Grund, warum ich als selbstständiger Anlageberater eine Partnerschaft mit FiNUM Private Finance eingegangen bin. Hier haben wir einen eigenen Experten, der sich intensiv mit der Analyse des Lebensversicherungsmarktes auseinander setzt.

Wer also finanziell intelligent anlegen will, keine unnötige Kapitalsteuer bezahlen möchte, mehr als 15 Jahre sein Geld investieren kann und in den Genuss einer breiten Diversifikation kommen will, der sollte ernsthaft an die fondsgebundene Lebensversicherung denken! Aktuell sehe ich in meiner Beratung auch vermehrtes Interesse, größere Summen (mehr als 50.000 Euro) in fondsgebundene Lebensversicherungen zu investieren.

Tipp:

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4 Kommentare

  1. Gerhard

    Während es in D eine riesen Auswahl an Lebensversicherungen gibt, die in ETFs veranlagen, findet man in Ö kaum ein Produkt. Woran liegt das? Steuerliche Unterschiede?

    Antworten
    • Alexander Oberenzer

      Hallo Gerhard,

      Vielen Dank für deine interessante Frage. Es stimmt in der Tat, dass es in Deutschland mehr Lebensversicherungen gibt und auch mehr, die ETFs zur Auswahl haben. Woran das liegt? Meiner Erfahrung nach, weil der deutsche Markt viel größer ist als der österreichische. Jetzt könnte man meinen, wenn eine Versicherung schon in Deutschland am Markt ist und alles in deutscher Sprache anbietet, dann könnte sie doch auch gleich in Österreich anbieten. Jedoch ist in Österreich eine eigene Gesetzgebung und folglich andere Richtlinien als in Deutschland. Somit ist einigen Versicherern der Aufwand ein eigenes Produkt für den „kleinen“ österreichischen Markt aufzulegen, schlicht zu groß.

      Antworten
  2. David Müller

    Vielen Dank für den ausführlichen Beitrag. Neulich habe ich mich mit einem Bekannten unterhalten. Unsere Frage war, ob die Pensionvorsorge oder die Lebensversicherung als langfristiges Investment zählt. Gut, dass man im Internet schnell fündig wird. Hier steht, dass es die Lebensversicherung sei und das es sich bei der Pensionvorsorge nur um eine zeitlich begrenzte Investition handelt.

    Antworten
    • Alexander Oberenzer

      Lieber David,
      vielen Dank für deine Frage. Grundsätzlich ist der gesetzliche Überbegriff die Lebensversicherung, weil diese KEST befreit ist. Allerdings hängen die beiden Begriffe eng zusammen, weil die meisten monatlich angesparten Lebensversicherungen sind als eigentlich als Pensionsvorsorge gedacht sind. Aus meiner Sicht macht das auch am meisten Sinn.

      Lg

      Alexander

      Antworten

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