Gespräch mit Peter Ladreiter

von | Feb 27, 2015

Vom Glück der Finanzkrise und krisensicheren Tipps: Vorstandsmitglied der Security KAG Peter Ladreiter im Gespräch

Herr Ladreiter, Sie haben in ihrem Vortrag im Rahmen unserer Circle of Excellence Veranstaltung, eine besondere Betonung auf die Finanzkrise und deren Einflüsse auf Ihre Arbeit gelegt.

Ja, diese Krise war sehr wichtig für mich und meine Karriere. Sie hat mich weitergebracht, weil ich meine strategisch-objektiven Ansätze aus der Naturwissenschaft nun in der Finanzwelt wesentlich besser anwenden konnte. Dies wäre ohne die Krise nicht so schnell möglich gewesen, weil die das Bankwesen dafür vorher nicht zugänglich war. Aber es hätte auch ganz anders laufen können. Auch Zufall und Glück spielen in der Karriere eine große Rolle.

Haben Sie jemals an Ihren Entscheidungen gezweifelt oder diese bereut? Zumal Sie zum damaligen Zeitpunkt die Wahl zwischen wissenschaftlicher Berufung und Wirtschaft hatten.

Ja, natürlich war es besonders während der Finanzkrise extrem schwer. Oft habe ich mich gefragt, ob ich mich richtig entschieden habe oder daran gezweifelt, dass es gut ausgeht. Dazu muss ich sagen, dass ich zeitgleich ein Parallelangebot für eine Professur in Graz hatte. Aber dann wäre mein BWL-Studium völlig umsonst gewesen. Es hieß also entweder Wirtschaft oder Uni. Ich wollte jedoch unbedingt ein Feedback und eine Bestätigung meiner Arbeit am Markt. Ich konnte zum Glück eine Brücke schlagen zwischen den Naturwissenschaften und dem Bankwesen. Eine Zeitlang war ich jedoch mit meinen Entscheidungen in beruflicher Hinsicht ganz auf mich allein gestellt. 

Sie haben zu Beginn die Wichtigkeit eines Mentors oder eines Vorbildes betont. Hat Ihnen das geholfen in der Krise?

Ich hatte damals Glück, meine Dissertationsbetreuerin in Frankreich hat mich enorm unterstützt und gefördert. Aber das war vor meiner Zeit in der Wirtschaft. Jemanden zu finden, der einen so fördert, das ist Zufall, man kann es schwer planen. Jemand wird auf dich aufmerksam und es passt. Die Chancen erhöhen sich natürlich, wenn man viel networking betreibt und Kontakte knüpft. Irgendwann hat man Glück und trifft auf die richtige Person. Ansonsten sind Disziplin und Durchhaltevermögen notwendig.

Sie waren auch im Ausland und viel innerhalb von verschiedenen Teamkonstellationen tätig. Wie wichtig sind solche Erfahrungen für Ihre Arbeit?

Ungemein wichtig. Es ist heutzutage substanziell, nicht zur Ellenbogengesellschaft zu gehören. Nicht gegeneinander zu arbeiten, sondern miteinander. Ich hatte das Glück, viel in Teams mit den verschiedensten Menschen zu arbeiten, das erweitert den Horizont und ist wichtig für das Miteinander. Heutzutage denkt man viel zu sehr im „Do it yourself“-Motto, stattdessen sollten wir „Do it ourselves“ denken.

Dies steht auch ganz im Sinne Ihrer erwähnten Notwendigkeit der Selbstreflektion.

Selbstreflektion ist besonders wichtig für die emotionale und soziale Intelligenz. Die ist notwendig, wenn man Leitungs- und Führungspositionen besetzen möchte. Für eine zeitgemäße Unternehmensführung muss man soziale Kompetenzen haben und auch Verantwortung übernehmen.

Das hört sich nach “Learning by doing” an. Aber wie bereitet man sich als junger Mensch auf so etwas vor?

Ein guter Tipp ist sicherlich, die eigenen Fähigkeiten daraufhin zu testen und weiter zu lernen. Zum Beispiel könnte man probeweise Kinder- und Jugendgruppen leiten oder ähnliches. Man sollte ausprobieren, früh Verantwortung zu übernehmen, auf der Uni oder im privaten Bereich.

In Bezug auf die Selbstreflektion haben Sie auch von Generalisten und Spezialisten gesprochen. Sie bezeichnen sich mittlerweile als Generalisten.

Es muss beide geben, Spezialisten und Generalisten. Es ergeben sich lediglich verschiedene Berufsfelder und Chancen, darüber muss man sich im Klaren sein. Durch meine unterschiedlichen Studien und Zusatzqualifikationen habe ich mich irgendwann zum Generalisten entwickelt, obwohl ich zunächst ein klarer Spezialist war. Ein Spezialist ist eher für die Fach- oder Abteilungsleitung geeignet. Als Generalist funktioniere ich anders in einem Unternehmen. Ich interessiere mich auch für andere Bereiche (auch hierarchisch), vor allem kann und sollte ich frühzeitig Entwicklungen erkennen.

Wir haben alle ein bestimmtes Fachwissen, aber man muss sich ausprobieren, es gibt nicht nur ein einziges Unternehmen, das passt. Nichts ist eingefroren, vor allem heutzutage. Auch wenn mir etwas nicht gefällt oder ich mich an meinem Arbeitsplatz nicht wohlfühle, hilft es mir, etwas über mich herauszufinden und gibt mir die Chance, etwas zu ändern. Hauptsache ist, sich nicht zu verstellen, auch nicht beim Bewerbungsgespräch. Es ist wichtig, authentisch und ehrlich zu sich selbst zu sein, nur dann kann man langfristig erfolgreich und glücklich werden.

Eine abschließende Frage zur Finanzwelt. Welchen Tipp würden Sie unserer Generation im Umgang mit Geld geben? Ich denke da besonders an die bereits erwähnte Disziplin und das Durchhaltevermögen…

Ja, da haben Sie recht. In der Generation von heute ist ein enormer Vorsorgegedanke nötig. Meine Kinder werden schon weniger Pension erhalten als ich und ich wiederum bekomme schon weniger als meine Eltern. Die Vorsorge wird also immer wichtiger und erfordert natürlich bereits in jungen Jahren eine höhere Disziplin, insbesondere, da der permanente Konsumzwang und der Medienwahn die Selbstdisziplin erschweren.

Ich danke Ihnen für das Gespräch, Herr Ladreiter.

©Univ.-Doz. DDr. Peter Ladreiter

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