Gehaltserhöhung: Jubel, Trubel, ....Frust

Gehaltserhöhung: Jubel, Trubel, ….Frust

von | Sep 23, 2015

Gründe, weshalb eine Gehaltssteigerung nur kurzfristig wirkt – Sandra Wassmuth im Gespräch mit Alexander Oberenzer von der Kanzlei FINUM und Gehaltsexperte Conrad Pramböck.

Eine Gehaltserhöhung ist ein erfreulicher Grund, mit der Familie und Freunden auf Ihren Erfolg im Job anzustoßen. Sie haben – im wahrsten Sinne des Wortes – lange Zeit darauf hingearbeitet. Aber hätten Sie es für möglich gehalten: Die Freude über einen höheren Betrag am Konto verfliegt bereits innerhalb kürzester Zeit. Meist sogar schon im Folgemonat, wenn sich ein gewisser Gewöhnungseffekt an die Gehaltserhöhung eingestellt hat. Ähnlich verhält es sich im Übrigen auch mit der Motivation und dem Arbeitseifer – beide kehren an den niedrigeren Ausgangspunkt vor der Gehaltssteigerung zurück. Wieso es zu diesem „Paradoxon“ kommt, versuchen Conrad Pramböck und Alexander Oberenzer mit folgenden Erklärungsansätzen zu beschreiben.

Ein Grund dafür lässt sich daher ableiten, dass der Mensch nach ständiger Weiterentwicklung und konstantem Wachstum trachtet. Die Lebensgewohnheiten passen sich rasch an die neuen Bedingungen an. Spätestens dann, wenn sich die Gehaltserhöhung am Konto nicht markant auswirkt und außerdem kein Vermögen aufgebaut werden kann, kehren sowohl die Arbeitsmotivation als auch die Zufriedenheit zum ursprünglichen Ausgangswert zurück.

Neben dem psychologischen Aspekt kommen zusätzlich volkswirtschaftliche Entwicklungen zum Tragen. Die Lebensstandards und der Wohlstand waren in den vergangenen 20 bis 30 Jahren starken Veränderungen unterworfen. Viele Produkte – vor allem im Technik- und IT-Bereich – wurden dadurch einfacher finanzierbar. Einen gegenläufigen Trend setzen allerdings die Lebenshaltungskosten. So sind beispielsweise die Preise für Miete, vor allem in beliebten Ballungsräumen wie z.B. Wien, seit 2007 um über 30% gestiegen. Jeder zweite Berufseinsteiger äußert Bedenken, sich die hohen Mietkosten nicht mehr leisten zu können. Eine Gehaltserhöhung im unteren Bereich von etwa 3 % verpufft in diesem Fall unbemerkt am Konto, da damit lediglich die Inflation bereinigt wird oder monatliche Fixkosten bezahlt werden. Alexander Oberenzer, Finanzexperte beim österreichischen Finanz- und Vermögensdienstleistungsunternehmen FiNUM führt diese Aspekte als Hauptgründe an, weshalb es auch für Besserverdiener schwieriger geworden ist, Vermögen aufzubauen. Der Finanzberater erklärt weiter, welche Strategie er nach einer Gehaltserhöhung empfiehlt: „Menschen müssen stärker auf die Erreichung von Zielen in der Zukunft sensibilisiert werden. Damit der gewohnte Lebensstandard weiterhin gehalten werden kann und es in der Pension zu keinen einschneidenden Einkommenseinbußen und damit verbunden zu einem Prestige- und Statusverlust kommt, ist es notwendig, mindestens ein Drittel des monatlichen Gehalts auf die Seite zu legen. Zwei Drittel hingegen stehen zur Verfügung um etwa die gesamten monatlichen Fixkosten für Wohnen, Auto, Versicherungen, etc. abzudecken. Aber auch die Finanzierung von Mode, Reisen und Hobbys fallen in diese Aufteilung. Bei Investitionen zahlt es sich aus, gezielt zu streuen und nicht nur auf eine Karte zu setzen, um das Geld intelligent für sich arbeiten zu lassen. Neben Einnahmen aus dem Beruf ist es somit besonders effektiv, passive Einkommensströme zu generieren.“

Wie komme ich zu einer Gehaltssteigerung?

Oftmals benötigen Sie einen langen Atem bei Gehaltsverhandlungen. Bereiten Sie sich daher im Vorfeld dementsprechend intensiv auf das Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten vor. Legen Sie sich eine passende Kommunikationsstrategie und Argumentationslinie zurecht und bereiten Sie sich auf Gegenargumente vor. Wer für alle Eventualitäten gerüstet ist, hat die besseren Karten.

Wie viel kann ich verlangen?

Bevor diese Frage beantwortet wird, soll Sie folgendes Beispiel zum Nachdenken anregen: Vor der Anschaffung eines neuen Fernsehgeräts werden Preisportale akribisch durchforstet und die unterschiedlichen Leistungsangaben miteinander verglichen, bis das optimale Gerät mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis gefunden ist. Aber im Vergleich dazu: Wissen Sie, wie hoch das marktübliche Gehalt für einen vergleichbaren Job in Ihrer Branche ist bzw. welcher Prozentsatz bei einer Gehaltserhöhung gerechtfertigt ist? Bei diesem wichtigen Thema im Job informieren sich vergleichsweise wenige Arbeitnehmer im Vorhinein. Mit einer zielgerichteten Vorbereitung und konkreten Vorstellung über Zahlen, Daten und Fakten, können Sie bei Ihrem Gesprächspartner punkten. Informierte und vorbereitete Mitarbeiter treten wesentlich selbstbewusster und überzeugender bei Gehaltsverhandlungen auf.

So können Sie die Höhe einer Gehaltssteigerung besser einschätzen:
  • 3 % liegen im unteren Bereich (Inflationsbereinigt)
  • 5 % ordnen sich im soliden Mittelfeld ein
  • 7 % stellen den oberen Bereich dar
  • 10 % Gehaltserhöhung sind als Maximum zu betrachten

Überzeugen Sie mit herausragender Leistung

Mitarbeiter müssen heutzutage konstant hohe Leistungen, um eine Gehaltssteigerung zu erhalten. Die Vorzeichen stehen gut, wenn Sie beispielsweise Projekte erfolgreich abschließen, Ihre Verkaufszahlen steigern, Gewinne erwirtschaften und zu den Umsatzzuwächsen beigetragen konnten. Wer vorweisen kann, Personalverantwortung für ein Team übernommen zu haben und eine Kostenreduktion in seinem Bereich erwirken konnte, rechtfertigt jedenfalls die Forderung nach mehr Gehalt. Sie haben es bestimmt schon bemerkt: Eine Gehaltserhöhung wird von der Mehrzahl der Personalverantwortlichen an die Erbringung außergewöhnlicher Leistung gekoppelt. Hingegen können Sie keine Gehaltszulage erwarten, wenn Sie auf die Tränendrüse drücken und dem Personalchef mit der Mitleidsmasche kommen. Ein kaputtes Auto, die teure Reparatur einer Waschmaschine, der Einkommensausfall, aufgrund der Erkrankung eines Familienmitglieds und Ähnliches, überzeugen den Vorgesetzten selten.

Praxistipp: Führen Sie eine Art Erfolgstagebuch, in dem Sie alle wichtigen Verdienste über einen längeren Zeitraum schriftlich festhalten. So können Sie dokumentieren, in welchem Umfang Sie zum Wachstum des Unternehmens beitragen konnten. Es kommt also durchwegs auf harte Zahlen und Fakten an, wenn künftig mehr Geld am Gehaltszettel stehen soll.

Geld alleine macht nicht glücklich

Finanzielle Anerkennung der Leistung ist die eine Seite, zusätzliche Bonussysteme die andere Seite, die eine moderne Gehaltspolitik auszeichnen. „Eine Anerkennung der Leistung und gleichzeitige Anhebung der Motivation muss nicht immer in Form einer monetären Abgeltung erfolgen. Damit ein Gehaltsmodell innovativ ist, müssen zusätzliche attraktive und interessante Anreize gesetzt werden“, sind sich Conrad Pramböck und Alexander Oberenzer einig. Selbstverständlich stellt eine faire und leistungsbezogene Entlohnung die Grundlage beim „Gesamtpackage zufriedener Mitarbeiter“ dar. Mitarbeiter wissen in großem Ausmaß ein angenehmes Betriebsklima, respektvollen und wertschätzenden Umgang, Kommunikation auf Augenhöhe und Weiterbildungsangebote sowie betriebsinterne Entwicklungsmöglichkeiten zu schätzen. Damit ist eine längerfristige Motivation der Mitarbeiter sichergestellt.

Alexander Oberenzer

… ist als Senior Financial Consultant im renommierten Finanzhaus FiNUM tätig und beantwortet alle Fragen rund um Versicherung, Veranlagung und Pensionsvorsorge. Für seine Kunden erarbeitet er ein strategisches Gesamtkonzept der Finanzierung. In seinem Blog diskutiert der Wirtschaftspsychologe Oberenzer zu aktuellen Finanzthemen und Entwicklungen.

Conrad Pramböck

… ist Gehaltsexperte und internationaler Speaker. Er leitet beim Executive Search-Unternehmen Pedersen & Partners den Geschäftsbereich Compensation Consulting und berät in dieser Funktion Unternehmen weltweit zum Thema Gehälter. Pramböck ist Buchautor und Verfasser von wöchentlichen Kolumnen zu Gehalts- und Karrierefragen in den Tageszeitungen „Der Standard“ und „Die Presse“. Er ist Lektor und Speaker im Auftrag von Universitäten, Fachhochschulen und Unternehmen.

Dieser Artikel von Sandra Wassmuth erschien bereits auf karriere.at

2 Kommentare

  1. Ich verstehe den Titel des Artikels nicht ganz: Warum folgt Frust bei deiner Gehaltserhöhung? Gehaltserhöhungen sind etwas Gutes und erhöhen die Motivation. Insbesondere die Hoffnung auf eine bessere Position (=Gehaltserhöhung) treibt uns an. Wenn man durch regelmäßige Gehaltserhöhungen diese Stufen der Karriereleiter erklimmt, dann ensteht hier aus meiner Sicht kein Frust. Generell sollte jedem klar sein, dass das Geld einer Inflation ausgesetzt ist. Keine Gehaltserhöhung zu bekommen frustriert daher noch mehr da man ohne Gehaltserhöhung tatsächlich mit der Zeit weniger verdient….

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    • Hallo Christian,

      ja, vielen Dank für deine Sichtweise. In diesem Fall tue ich mir ein wenig schwer zu antworten, weil dies ein Artikel von Sandra Wassmuth ist. Conrad Pramböck und ich wurden dazu nur interviewt. Vermutlich will die Autorin die wissenschaftlich belegte kurze Wirkungsdauer einer Gehaltserhöhung verdeutlichen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass nur hohes Einkommen ohne weiterer positiven Effekten in der Arbeit wie Anerkennung, Teamspirit, Perespektiven, spannende Aufgaben und Sinn kein Glück und Zufriedenheit bringt.

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