Daytrading und andere Mythen...

Daytrading und andere Mythen…

von | Jul 24, 2015

Letzte Woche hatte ich ein interessantes Gespräch mit einer neuen Klientin. Im Verlauf des Gesprächs fragte sie mich: „Herr Oberenzer, ich habe einen Freund, der hat bei Daytrading in kurzer Zeit sehr viel Geld verdient. Sollte man das nicht auch probieren? Was halten Sie davon?“

Ja, wäre das nicht schön? Angenehm vor dem Laptop am Strand sitzen und sich einfach so nebenher ein kleines Vermögen aufbauen. Warum hart arbeiten, wenn es doch scheinbar so leicht und wie von Zauberhand geht? Der Traum des schnellen und aufwandslosen Reichtums begleitet die Menschen wohl seit jeher. Ist es wirklich so einfach?

Aber zurück zum Anfang. Was ist Daytrading überhaupt? Wikipedia sagt dazu,

„Daytrading beschreibt den kurzfristigen spekulativen Handel mit Wertpapieren. Hierbei werden Positionen innerhalb des gleichen Handelstages eröffnet und wieder geschlossen, mit dem Ziel, bereits von geringen Kursschwankungen zu profitieren. In der Regel handelt es sich bei den Spekulationsobjekten um Aktien, Devisen oder Futures bzw. Derivate.“

In Taiwan ist Daytrading sogar eine Art Volkssport. Brad Barber von der University of California und andere amerikanische Wissenschaftler haben komplexe Untersuchungsreihen in Taiwan dazu durchgeführt. Von insgesamt 130.000 untersuchten Daytradern schafften es lediglich 500, die im Schnitt 0,2% Wertsteigerung pro Tag erzielten. Das sind gerundet 0,4%. 85% der Daytrader hatten nach spätestens 6 Monaten ihr Geld verloren. Und selbst die besten Daytrader erzielten langfristig über mehrere Jahre lediglich eine Rendite von 5%! Wenn wir diese Ergebnisse nun mit der durchschnittlichen Rendite der Aktienmärkte seit 1900 mit 5,5% per anno vergleichen, dann stellen wir eindeutig fest: Daytrading ist zeitaufwendig und das Ergebnis nicht überzeugend.

Also: Hände weg von Daytrading.

Besonders interessant und trügerisch in der Definition von Daytrading ist der Aspekt der Spekulation. Wer finanziell intelligent handeln will, muss den wichtigen Unterschied zwischen Spekulation und Investition kennen. Spekulieren bedeutet, dass ich mir zum Beispiel einen Grund kaufe, den ich lange brach liegen lasse, in der Hoffnung, dass dieser Grund irgendwann in Baugrund umgewandelt wird. Ich hoffe also, dass ich nach einer gewissen Zeit deutlich mehr für meinen Grund bekomme, als ich selber dafür bezahlt habe. Investieren hingegen bedeutet, nicht zu hoffen, sondern zu planen. Ich kaufe mir beispielsweise eine Wohnung, die ich vermiete. Somit erziele ich mit meinem eingesetzten Kapital laufende und von vornherein planbare Erträge. So machen es schließlich auch die vermögenden Menschen.

Hamburger statt Daytrading?

Bestes Beispiel für Investition statt Spekulation ist Ray Kroc, Gründer der McDonalds Corporation. Ray, so erzählt man sich, war in den Sechziger Jahren einmal in Harvard eingeladen. Dort sollte er den Wirtschaftsstudierenden seine Erfolgsmodelle näher bringen. Er verblüffte die aufmerksamen Zuhörer schon mit der ersten scheinbar offensichtlichen Frage „Womit verdiene ich mein Geld?“, fragt er also zu Beginn in den überfüllten Hörsaal. Nach einer halben Ewigkeit wagt sich ein Student schüchtern hervor: „Mr. Kroc, alle wissen, dass Sie mit Hamburgern ihr Geld verdienen.“ Alle lachen. Ray wartet bis wieder Ruhe und Aufmerksamkeit eingekehrt ist und sagt: „Nein, Hamburger ist mein Business, aber Geld verdiene ich mit Immobilien.“ Wie wir wissen, gehörten Ray Kroc sämtliche Standorte seiner Franchise Filialen, womit er unglaubliche monatliche Mieteinnahmen erzielte.

Was können wir daraus lernen?

Wie so oft, sollten wir nicht auf sensationelle Storys hören, in denen jemand über Nacht und ganz ohne Aufwand reich geworden ist. Stattdessen sollten wir uns auf kluges Investieren konzentrieren, wodurch es uns möglich wird, passive Einnahmen zu erzielen. Natürlich hat nicht jeder zugleich das Anfangskapital, um eine Immobilie oder ähnliches zu erwerben. Aber wer sagt denn, dass du mit Immobilien und Riesenbeträgen beginnen musst? Aus meiner nun bald zehnjährigen Erfahrung in der Veranlagungswelt weiß ich, dass auch Dividenden Aktien gute und stätige passive Einnahmen generieren. Wenn du nun zusätzlich in die richtigen weltweit gestreuten Investments monatlich ansparst, dann kannst du dir nach und nach einiges aufbauen. Denn mit der nötigen Disziplin und der richtigen Strategie können aus kleinen Beträgen mit der Zeit sehr große Summen werden!

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